Wie Stuttgart wurde, was es ist
Warum steht das hier und nicht dort?
Geschichte ist in Stuttgart schwer zu finden, weil so vieles nicht mehr steht. Genau deshalb ist dieser Bummel anders: Ich habe die alten Bilder dabei. Wir stehen vor einer Baustelle, einer Fassade, einem Platz – und Sie sehen, was dort einmal war.
Der Hauptbahnhof ist dafür das beste Beispiel. Es gab zwei Vorgänger; von einem sind noch Teile der Fassade übrig. Der neue liegt seit Jahren im Bau. Man sieht also fast nichts – und kann trotzdem erzählen, was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet hat: Prestige, Industrie, Anschluss an die Welt. Und was sich in den letzten Jahren an Argumenten und Gefühlen daran entzündet hat.
In der Stiftskirche stehen sie alle beieinander – die Grafen von Württemberg, in Stein. Darunter Eberhard im Barte, auf den die Kehrwoche zurückgehen soll. An dieser einen Wand lässt sich die frühe Geschichte des Landes entlanggehen.
Und es gibt die Orte, an denen es unbequem wird. Das Hotel Silber war die Zentrale der Gestapo und ist heute ein Erinnerungsort. Am Schlossplatz stehen Arbeiten von Künstlern, die an die NS-Diktatur erinnern. Auf dem Hoppenlau- und dem Pragfriedhof liegen die Stuttgarter, die diese Stadt gemacht haben – und dort ist es still genug, um von ihnen zu erzählen.
Was am Ende hängen bleibt, ist selten eine Jahreszahl. Eher der Zusammenhang: warum hier Industrie entstand, welche Rolle die Kirchen spielten, und warum ausgerechnet in dieser Stadt jemand auf die Idee kam, das Treppenhaus zur Gemeinschaftsaufgabe zu machen.
Auch möglich: Der Kessel von oben · Das Wasser unter der Stadt