Der Kessel von oben

Stuttgart versteht man erst, wenn man einmal hinuntergeschaut hat.

Zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt dieser Stadt liegen mehr als dreihundert Meter. Unten am Neckar sind es rund zweihundert, der Marktplatz liegt bei zweihundertfünfundvierzig, und oben in Vaihingen wird es fünfhundertneunundvierzig. Das liest sich unspektakulär. Wenn man es sieht, ist es das nicht.

Von oben wird vieles auf einmal verständlich. Warum die Weinberge bis in die Stadt hineinreichen. Warum die Zerstörungen im letzten Krieg sich im Zentrum ballten, während es an den Hängen glimpflicher ausging. Und wie einsam der Stutengarten hier unten gelegen haben muss, aus dem später eine Landeshauptstadt wurde.

Wohin es geht, entscheiden wir gemeinsam. Es gibt mehr gute Aussichtspunkte, als in zwei Stunden hineinpassen:

  • der Eugensplatz – Blick auf die wichtigsten Gebäude der Innenstadt, dazu Schatten, der Galatea-Brunnen und eine Eisdiele, an der man vorbeigehen kann, aber nicht muss. Und ein Mops auf einer Säule: Vicco von Bülow, den alle Loriot nannten, hat ganz in der Nähe die letzten Jahre seiner Schulzeit verbracht. Auf dem Sockel steht sein Satz – „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“
  • der Santiago-de-Chile-Platz – erreichbar mit der Zahnradbahn, die selbst schon eine Attraktion ist, und mit einer eigenen Entstehungsgeschichte
  • das Dach der Stadtbibliothek – ein guter Anfang, weil man dort gleich zweierlei bekommt: den ersten Blick von oben und ein Gebäude, das die Leute nicht mehr loslässt
  • der Killesbergturm – filigran und luftig, ein Bauwerk, das man erlebt statt betrachtet
  • der Fernsehturm – die Anfahrt lohnt sich nur beim langen Bummel. Dann aber richtig: Bei klarer Sicht reicht der Blick über die Wälder bis zur Schwäbischen Alb.

Und dann gibt es noch einen Turm mitten in der Stadt, von dem kaum jemand weiß, dass er öffentlich zugänglich ist. Den hebe ich mir gern für den Schluss auf. Von dort oben kann man den ganzen Bummel noch einmal ablaufen, ohne einen Schritt zu gehen.

Praktisch: Für die Höhenmeter sorgen Zahnradbahn, Bus und U-Bahn – hinaufsteigen muss niemand. Wer will, kann natürlich. Und wenn jemand nicht mehr gut zu Fuß ist, finden wir auch dafür einen Weg.

Auch möglich: Wie Stuttgart wurde, was es ist · Das Wasser unter der Stadt