Christoph Reinke
Ich bin kein ausgebildeter Gästeführer. Ich bin hier aufgewachsen.
Als Jugendlicher fand ich Stuttgart langweilig
Das ist nicht kokett, das war so. Die einzige Attraktion, die für mich zählte, war das Plattenhaus Lerche. Alles andere: Kessel, Kehrwoche, nichts los.
Später habe ich lange in Heslach gewohnt, und da hat es angefangen. Ich habe gemerkt, dass man in Stuttgart von jedem Punkt aus in zehn Minuten im Grünen ist – im Park, im Weinberg oder im Wald. Keine andere Großstadt macht das so.
Von da an habe ich die Stadt für mich erkundet: bin bei anderen mitgelaufen, habe Stadtführungen zu allen möglichen Themen mitgemacht und mir Bücher über Spaziergänge in Stuttgart gekauft und sie abgelaufen. Irgendwann kannte ich mehr Wege, als in den Büchern standen.
Vom Ehrenamt zum Handwerk
Drei Jahre lang habe ich ehrenamtlich für die Stuttgart Greeters geführt. Dort habe ich gelernt, was mir heute am meisten nützt: frei zu erzählen. Auf eine Frage eingehen, abschweifen, und wieder zurückfinden, ohne den Faden zu verlieren.
Irgendwann kam die Frage: „Machen Sie das auch für uns – und was kostet das?“ So ist Stuttbummel entstanden.
Die Idee kenne ich also von den Greetern. Nur bekommen Sie bei mir einen festen Termin, eine Zusage und jemanden, der es hauptsächlich tut.
Was ich mitbringe
Ich kenne diese Stadt seit über sechzig Jahren. Was ich erzähle, steht nicht in Büchern, sondern kommt aus eigener Erinnerung: welches Gebäude wo stand, was in diesem Hinterhof passiert ist, wie sich ein Viertel verändert hat.
Ich sehe, wie es einer Gruppe geht. Wann jemand müde wird, wer nicht mehr mitkommt, wer eine Frage hat und sie nicht stellt. Deshalb bleibt bei mir niemand zurück.
Ich kenne nicht nur die Wege, sondern auch die Steigungen. Wo eine Bank steht, wo die Zahnradbahn eine Treppe ersetzt, welcher Umweg sich lohnt und welcher nicht. Das ist der Grund, warum sich eine Route auf eine Gruppe zuschneiden lässt.
Und ich finde immer noch Neues. Es gibt Wochenenden, an denen ich etwas über diese Stadt herausfinde, das ich nach sechzig Jahren nicht wusste. Genau deshalb mache ich das – nicht wegen des Führens, sondern wegen des Herausfindens.
Zwei Orte, die das erklären
Der Hoppenlaufriedhof. Den habe ich erst spät entdeckt, viel zu spät. Mitten in der Stadt, und trotzdem still. Wer dort steht, steht in zweihundert Jahren Stuttgarter Geschichte – und zwischen den Steinen liegen die Geschichten, die man nirgends nachlesen kann.
Das Alte Schloss. Warum sieht mitten in Stuttgart ein Schloss aus wie eine Burg? Diese Frage habe ich lange mit mir herumgetragen, bis ich die Antwort hatte. Sie erklärt mehr über diese Stadt als jeder Stadtplan.
Wofür ich nicht der Richtige bin
Ich bin kein zertifizierter Gästeführer – bewusst nicht. Es gibt kein Team und keine Vertretung: Wenn Sie mich buchen, komme ich. Und ich mache keine Busgruppen, keine Schulklassen und keine Junggesellenabschiede. Dafür gibt es in Stuttgart gute Anbieter.
Wenn ich nicht führe
Dann bin ich meistens draußen und wandere, weil ich wieder etwas Neues sehen will. Oder ich koche. Oder ich bin einfach mal faul – das kann ich auch. Wenn Sie wissen möchten, wie so ein Nachmittag abläuft: So läuft ein Bummel ab.